Der Wind – unser ständiger Begleiter auf der Ruta 3

Eine Nacht ohne Wind, der auf das Zelt einprügelt – was für eine Genugtuung! Nach einem ausgedehnten Frühstück im Wald bei Tolhuin brechen wir gegen Mittag auf. Unser nächstes großes Ziel ist die von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärte Peninsula Valdes. Jedoch liegen zwischen Ushuaia bzw. Tolhuin und der Peninsula mehr als 1.500 km, sodass wir auf dem Weg noch in verschiedenen kleineren Nationalparks Halt machen werden.

Reinfall mit dem Nationalpark Pali Aike

Als erstes Zwischenziel steuern wir den Nationalpark Pali Aike an. Also wieder über die Grenze nach Chile (wir werden zwar kontrolliert, aber weder Milch noch Honig – ist ja chilenisch – stören den Grenzer) und über Rumpelpisten immer Richtung Norden. Im Lonely Planet und auf iOverlander hatten wir gelesen, dass man im Park campen kann. Leider scheint der Parkwächter dies nicht gelesen zu haben und verbietet uns zu allem Überfluss auch noch, dass wir eines der Parkgebäude als Windschutz nutzen. Aber kurz vor dem Park gäbe es eine Mulde, da könnten wir uns etwas windgeschützt rein stellen. In der Mulde haben wir allerdings das Gefühl in einer Düse zu sitzen, sodass wir leicht frustriert wieder die 30 km zur Hauptstraße zurückjuckeln. Wir sehen uns noch kurz ein Hostel an, beschließen dann aber, dass wir für ein muffiges Zimmer keine 30 € investieren und fahren stattdessen zu später Stunde direkt weiter nach Argentinien Richtung Rio Gallegos.

Da unser eigentlicher Plan war, die Nacht im Nationalpark Pali Aike zu verbringen, hatten wir reichlich Früchte für Frühstück und Lunch eingekauft. Jetzt verbringen wir die nächsten 25 km zu Grenze damit, jede Menge Äpfel und Nektarinen zu vertilgen – wenigstens sparen wir uns so das Abendessen. Der Grenzübergang ist das komplette Chaos. Als die Warteschlange schon bis auf die Straße reicht, kommt der Großteil der Angestellten – anscheinend vom entspannten Abendessen – und es kommt immerhin etwas Bewegung ins Spiel. Auf Lebensmittel wird unser Wagen allerdings überhaupt nicht kontrolliert…

Ruhepause vom endlosen Wind

Gegen Mitternacht erreichen wir trotz aller Widrigkeiten Rio Gallegos und finden ein Hostel, in dem wir für heute Nacht Unterschlupf finden können.

Aus dem Sturm ist am nächsten Tag ein gefühlter Orkan geworden und so beschließen wir spontan noch einen weiteren Tag in der Stadt zu verbringen und auf Besserung zu warten. Da die Hostelatmosphäre allerdings nicht so anheimelnd ist, ziehen wir ins einzige 4* Hotel der Stadt um – booking.com weist hier ein Sonderangebot aus J

Tagsüber nutzen wir die Zeit, um zum nahegelegenen Wrack der Martory Glen zu fahren. Ein englisches Kohleschiff, das hier 1911 Feuer fing und aufgegeben wurde. Kurioserweise nutzten die argentinischen Kampfpiloten das englische Wrack 1982, um Tiefflüge für den Falklandkrieg gegen die Engländer zu üben (an jeder Ecke stehen hier irgendwelche Gedenktafeln bzw. Hinweisschilder, dass die Malvinas doch argentinisch seien).

Beeindruckende Küstenlandschaft im Parque Nacional Monte León

Frisch geduscht und nach dem Frühstück im Hotel fahren wir weiter zum Parque Nacional Monte León. Die ehemalige 600 km² große Estancia wurde 2004, wie auch der Parque Pumalin und der Parque Patagonia, vom Ehepaar Tompkins in einen Nationalpark umgewandelt. Der Besuch unserer ersten argentinischen Magellanpinguin- und Seelöwenkolonie verläuft – gelinde gesagt – etwas enttäuschend. Die Tiere sind alle irgendwo am Strand und trotz Tele kaum zu sehen.

Zum Glück ist gerade Ebbe, sodass wir noch eine Wanderung zur Isla Monte León machen können. Jetzt hat sich der Umweg zum Nationalpark tatsächlich gelohnt: Auf der Insel und den Felsen leben zahlreiche Kormorane, die sich kaum an uns stören. So stehen wir einfach nur da, beobachten die Tiere und genießen die beeindruckende Küstenlandschaft. Leider kommt irgendwann die Flut, sodass wir nicht ewig hier bleiben können.

Nachts nutzen wir die Sanitäranlagen des Campingplatzes als Windschutz und gehen nach einem üppigen Mal glücklich ins Bett. Gegen 3 Uhr dreht der Wind um 180° und peitscht auf uns ein. Umparken ist keine wirklich Option, sodass nur das kleine Zelt als Alternative bleibt. Also Dachzelt weg und kleines Zelt raus. Eigentlich alles ganz easy, aber hier steht überall „Achtung Puma“ und „Nach Einbruch der Dunkelheit nicht rumlaufen“… Im Zelt am Boden hört sich nun jedes Geräusch doppelt so laut bzw. furchteinflößend an. Trotzdem kein Puma und am nächsten Morgen herrscht – zumindest zeitweise – Flaute und die Sonne scheint.

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