Torres del Paine – DER Nationalpark Chiles

DER Nationalpark Chiles – zumindest wenn es nach den Empfehlungen von Reiseführern, Blogs und Freunden geht. Grundsätzlich eignet sich der Park Torres del Paine auch für Tagesausflüge, doch populärer sind die mehrtägigen Wanderungen, das „W“ und das „O“. Wir hatten uns bereits im Vorfeld für das „W“ entschieden (das so heißt, weil die Route auf der Karte in etwa diesen Buchstaben bildet) – eine 4-5 tägige Wanderung, die an den verschiedenen Highlights des Parks vorbeiführt.

Da im Januar und Februar Hauptsaison und der Nationalpark so populär ist, haben wir schon im November kurz vor unserer Abreise versucht, die Unterkünfte für diese Route zu buchen. Leider sind die entsprechenden Webseiten gefühlt aus dem Jahr 1995 und der Buchungsprozess sowohl per Website als auch per E-Mail mehr als umständlich, unlogisch und langwierig. Irgendwo in Santiago hatte Kathrin dann Glück bzw. ihre Hartnäckigkeit zahlte sich aus, und wir fanden freie Unterkünfte in der richtigen Reihenfolge (Nach dem etwa 10. Anlauf funktionierte dann auch die Zahlung). Wir hatten uns für die Full Board Option in Refugios entschieden, da wir beide keine Lust haben, Zelt, Essen und Kochzeug für mehrere Tage mitzuschleppen. Nur unsere Schlafsäcke nehmen wir mit, die Aussicht auf fremde, verschwitzte und stinkende Schlafsäcke erscheint wenig verlockend.

Nach einem gemütlichen (und wieder viel zu langen) Abend mit Thomas, Doro und Felix an der wunderschönen Laguna Azul (kostenloser Campingplatz im Nationalpark – es wird nur um eine kleine Spende gebeten) brechen wir morgens nach Las Torres, dem Startpunkt unserer Route, auf.

Tag 1 – Aufstieg zum Mirador Las Torres

Wir können unser Auto direkt am Refugio Torres Norte stehen lassen und beginnen von dort den Aufstieg zum Mirador Las Torres. Das erste Teilstück ist bereits sehr steil, danach geht es durch Wald an einem Flusslauf entlang, bevor es auf dem letzten Anstieg über Geröll noch einmal richtig steil wird. Nach 4 Stunden und knapp 800 Höhenmetern haben wir es geschafft. Wir stehen vor einer Lagune, über der die 3 zackigen Granitsäulen Las Torres thronen. Wir machen eine ausgedehnte Pause und genießen die Aussicht, die für den steilen Anstieg und den zwischenzeitlichen Nieselregen auf der Strecke mehr als entschädigt.

Tag 2 – Von Torres Norte zu Los Cuernos

Nach über einem Monat verbringen wir im Refugio Torres Norte unsere erste Nacht mal wieder in einem „richtigen“ Bett (6 Mann in 3 Doppelstockbetten) und schlafen beide wie ein Stein – schon komisch wie sich „Luxus“ definiert. Die heutige Strecke ist vergleichsweise kurz und einfach. Sie führt uns an einem riesigen türkisblauen See mit wunderschönem Panorama entlang. Am Wegesrand lädt die Landschaft immer wieder zum Verweilen ein. Wir lassen uns Zeit, erreichen aber dennoch relativ früh nach 6 Stunden das Refugio Los Cuernos. Hier ist es sehr gemütlich – auf der Terrasse genießen wir die Sonne und lesen. Da wir allerdings am nächsten Tag knapp 10 Stunden Wanderung vor uns haben, verzichten wir auf einen Pisco Sour und gehen direkt nach dem Abendessen – noch weit vor Sonnenuntergang – ins Bett.

Tag 3 – Von Los Cuernos zur Paine Grande Lodge mit Abstecher ins Valle Francés

Nach 1,5 Stunden erreichen wir das Campamento Italiano, wo wir den Hauptteil unseres Gepäcks ablegen können. Für den Abstecher ins Valle Francés nehmen wir nur Lunchpaket und Wasser mit – wobei wir unsere Wasservorräte immer wieder an kleinen Bächen auffüllen können. Der herrliche Weg verläuft zwischen dem 3050 m hohen Cerro Paine Grande im Westen und den Los Cuernos im Osten. Begleitet werden wir vom Getöse von kleineren und größeren Lawinenabgängen vom gegenüberliegenden Gletscher Francés. Zwar hatten uns am Vorabend ein paar Wanderer berichtet, dass der Británico Lookout nicht wirklich die Strapazen des Weges wert sein sollen, aber Kathrin und ich finden, dass es jeden Schritt wert war.

Nachdem wir unser komplettes Gepäck wieder geschultert haben, geht es für die letzten 2,5 Stunden zu unserer letzten Übernachtung auf dem „W“ in der Paine Grande Lodge. Hier sehen wir zum ersten Mal die krassen Auswirkungen des Waldbrandes von 2011, der fast 16.000 Hektar Land zerstörte. Von jetzt auf gleich ist aus dem grünen Wald eine Landschaft aus toten Bäumen geworden, die wie mahnende Skelette den Wegesrand säumen. Jetzt verstehen wir auch, warum offenes Feuer und Rauchen so strickt geahndet wird und wir uns am Parkeingang einen knapp 10 minütigen Film zu den Verhaltensregeln im Park ansehen mussten. Mit dem Skelettwald kommt auch der Wind. Mit knapp 60 km/h (wie am Campamento Italiano angeschlagen) trifft uns der Wind von vorne und die letzte Strecke ist mehr eine Qual als ein Genuss. Dafür werden wir im Refugio mit einem leckeren Pisco Sour begrüßt und fallen nach dem Abendessen tot ins Bett.

Tag 4 – Aufstieg zum Gletscher Grey

Der letzte Tag unserer Wanderung. Unser Weg führt uns am Lago Grey auf der einen Seite und den Baumgerippen auf der anderen Seite zum Refugio Grey und dann weiter zu einem Aussichtspunkt. Hier können wir den Gletscher in seinem ganzen Ausmaß genießen und haben Glück: die Sonne kommt raus und der Wind flaut etwas ab, sodass wir lange dasitzen und Gletscher, See und Eisberge bewundern.

Nach dem Abstieg geht es von der Paine Grande Lodge mit der letzten Fähre, Bus und Schuttle wieder zurück zum Refugio Torres Norte. Ich muss zugeben, ich war vorher extrem skeptisch ob das alles so klappt, aber siehe da: Fähre und Busse sind perfekt aufeinander abgestimmt, es passen tatsächlich alle Passagiere drauf und wir erreichen nach einer Stunde wieder unser Auto.

Und wie vorher lose besprochen, treffen wir ein paar Meter weiter Thomas, Doro und Felix wieder, die – perfekt mitdenkend – ausreichend für uns mitgekocht haben. So verbringen wir einen gemütlichen Weinabend sowie einen weiteren entspannten Tag mit den dreien und lernen noch Anke und Andreas kennen, die mit ihrem Overlander für mehrere Jahre Lateinamerika bereisen werden.

2 Antworten zu “Torres del Paine – DER Nationalpark Chiles

  • Wolf Koenigsbeck
    2 Jahrenvon

    … nachdem Ihr mich nicht mitgenommen habt, werd´ich wohl selber da mal hinfahren müssen! Weiter so, alles Gute,
    Wolf

  • Hättest nur was sagen sollen … Jetzt auf dem Weg zur Peninsula Valdez. Sollte Dich spontan die Lust überkommen, melde Dich!

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