Von der kargen Küste zurück in die idyllischen Anden

Da Wind, Müll und Kargheit das Erscheinungsbild der argentinischen Küste bestimmen, haben wir uns entschlossen, unsere Fahrt Richtung Norden entlang der Anden auf der Westseite des Landes fortzusetzen. Den Erfahrungen aus El Chalten und Calafate nach versprechen uns dort weniger Wind, weniger Müll sowie schönere Naturlandschaften. Somit machen wir uns von der Peninsula Valdes direkt zum Nationalpark Los Alerces auf – rund 600 km über die Ruta 25 nach Westen. Auf dieser Strecke erleben wir Argentiniens Pampa zum ersten Mal nicht absolut karg, sondern werden von einer bunten Canyon-Landschaft sowie einem fruchtbaren, grünen Tal überrascht, in das es uns für einen kurzen Übernachtungsstopp bei Dique Florentino Ameghino verschlägt.

Verirrung und abgefahrene Kletterei im Nationalpark Los Alerces

Unsere Vorfreude auf schöne Natur und eine tolle Wandertour im Nationalpark Los Alerces wird direkt bei unserer Ankunft gedämpft. Ein Brand vor genau einem Monat hat einen Teil des Parks stark gezeichnet und dazu geführt, dass die Hälfte der Wanderwege geschlossen sind. Der unfreundliche Ranger an der Parkinfo kann auch nicht so richtig Begeisterung für die noch zugänglichen Wege wecken. Darüber hinaus haben wir das Gefühl, als Touristen in diesem Park komplett ausgenommen zu werden. Alles wird versucht zu Geld zu machen: Der Parkeintritt (für Ausländer mehr als doppelt so teuer) wird nicht einmalig erhoben, sondern ist nach 48h erneut fällig, die kostenpflichtigen Campingplätze sind mit Abstand die teuersten, die wir bisher in Argentinien besucht haben, und selbst für einen kleinen Parkplatz am Anfang eines Wanderweges ist eine Gebühr fällig. Von all dem lassen wir uns jedoch nicht abschrecken, sondern machen uns nach einer kurzen Nacht zum längsten, noch zugänglichen Wanderweg auf. 4 Stunden soll der Aufstieg zum Gipfel X dauern. Nach einer etwas längeren Suche nach dem schlecht ausgeschilderten Startpunkt und dem Entfernen eines „geschlossen“-Schildes geht es steil bergauf. Auf der Strecke durch den Wald fragen wir uns, ob der gefährliche Puma oder die schwierige Wegstrecke der Grund ist, warum man sich vor dem Aufstieg UNBEDINGT bei einem der Parkranger registrieren soll. Vielleicht ist es auch nur der argentinische Bürokratiewahn, denn wirklich zuverlässig ist das System nicht…

Nach 1,5 Stunden treffen wir auf Karissa und Ben aus England, die einzigen weiteren Wanderer, die heute auf diesem Weg unterwegs sind. Ich bin sehr froh, dass wir nicht ganz allein sind, denn kurz darauf stoßen wir auf ein steiles, steiniges Flussbett, durch das es nun für eine unbestimmte Zeit weiter bergauf gehen soll. Allein wären wir wahrscheinlich irgendwann wieder umgedreht, da wir uns nicht vorstellen konnten, dass diese endlose Krakselei Teil des Wanderweges ist, zumal nach der gut gekennzeichneten Waldstrecke hier jegliche Kennzeichen fehlen. Als sich das Flussbett in zwei teilt, finden wir wieder ein Wegzeichen. Da dies auf der rechten Seite steht, folgen wir dem rechten Flussarm. Hier wird es allerdings immer steiler und unwegiger. Wir versuchen die Karte mit dem grob eingezeichneten Wanderweg sowie den kurzen spanischen Beschreibungstext zu deuten, doch ohne wirklichen Erfolg. Wir setzen also unsere Kletterei über Steine und steile, nasse Felspartien fort. Kurz bevor das Flussbett in eine Felsspalte führt und es für uns zu gefährlich erscheint, weiter zu klettern, geben wir auf und versuchen unser Glück seitlich über einen Tierpfad. Dieser verläuft sich jedoch schnell und wir beschließen, nach der abenteuerlichen Kletterei unseren persönlichen Gipfel erreicht zu haben.

Nach unserer Picknickpause wagen wir den Abstieg – nicht ohne, dass jeder von uns mindestens einmal auf einem wackeligen Stein abrutscht und ordentlich auf den Hintern fällt. Zurück an der Flussgabelung entdecke ich ein weiteres Wegzeichen – eigentlich hätte es auf dem Kamm zwischen den beiden Flüssen weitergehen sollen. Wir überlegen lange hin und her, ob wir noch den Aufstieg zum tatsächlichen Gipfel wagen wollen. Da es allerdings schon recht spät ist und wir noch über die Hälfte des Wanderweges vor uns hätten, entscheiden wir uns für den Abstieg. Eine gute Entscheidung, denn unten angekommen können wir noch einen Sprung ins kühle Nass und die Nachmittagssonne genießen. Zurück am Parkplatz verabschieden wir uns von Karissa und Ben und suchen uns einen kostenlosen Übernachtungsplatz am See. Dort gefällt es uns so gut, dass wir noch einen Tag bleiben und unsere Seele baumeln lassen. So kommen wir am Ende doch noch zu unserer Naturidylle.

2 Antworten zu “Von der kargen Küste zurück in die idyllischen Anden

  • José Garrido
    2 Jahrenvon

    Hey, chicos, cómo estáis???
    no sé dónde estáis por el momento… yo estaré una semana (12 a 19 de marzo) en Brasil (Rio, Sao Paulo y Ribeirao Preto. Luego una semana en Buenos Aires.
    Estáis por ahí cerca? Quedamos a hacer unos Burpees????
    Cuidaros mucho y volved pronto, también se os echa de menos por Berlin.

    P.D.- Ich gehe davon aus, dass ihr jetzt besser als ich Spanisch konnt. 😛 Best

    • Hi José,
      cool, dass du auch ein wenig hier rumreist! Wir sind grad in Bariloche. Nach Brasilien werden wir es nicht mehr schaffen und nach Buenos Aires wahrscheinlich auch nicht. An der Küste hat es uns nicht so gut gefallen, daher fahren wir jetzt entlang der Anden weiter nach Norden.
      Wir trainieren fleißig während unserer Reise, freuen uns aber auch schon sehr, in Berlin wieder zu euch zu stoßen! In größerer Runde macht es doch mehr Spaß!!! Dir eine schöne Reise und bis Ende Mai in Berlin!

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