Die Hippie und Trekking Stadt El Bolson

El Bolson liegt malerisch eingebettet zwischen zwei Gebirgsketten und gilt als die Hippie-Stadt Argentiniens – unser nächstes Ziel. Nur ist der Himmel jetzt grau und es zieht Regen auf, so will sich das Sunshine-Flower-Power-Gefühl nicht so recht einstellen. Ein kurzer Blick auf die Wetter-App zeigt, die nächsten Tage versprechen keine Besserung. Somit entscheiden wir uns, unser Dachzelt für zwei Nächte aufzugeben und stattdessen in ein Hotel auszuweichen. Ehrlich gesagt, sind wir beide auch einfach platt und – auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole – Regen und Wind in Patagonien haben ordentlich Energie gekostet.

Schlechtwetterpause im Morada del Sol

Wir erreichen das idyllisch in den Bergen gelegene Hotel Morada del Sol knapp 20 Min. nach unserer spontanen online Buchung und der Besitzer hatte wohl noch nichts von seinem Glück erfahren. Wir sind die einzigen Gäste und so können wir uns in der kleinen Lobby am Kamin lümmeln und entspannt den lokalen Wein genießen. Den folgenden Tag verbringen wir, abgesehen von einer kurzen Joggingrunde, lesend im hoteleigenen Spa und warten auf besseres Wetter.

Spurenlesen wie die Indianer

Mit nun wieder etwas volleren Akkus, nehmen wir unsere eigentlichen Pläne in El Bolson wieder auf und besuchen den Cabeza del Idio. Der Stein, der wie ein Indianerkopf geformt ist, ist jetzt nicht so spektakulär. Das eigentliche Highlight sind eher die beiden offensichtlich betrunkenen Damen, die uns die 20 Pesos für den Eintritt abnehmen. Da es in der Nähe noch einen Wasserfall gibt, zu dem man laufen kann, beschließen wir spontan, einfach in die Richtung loszuwandern – allerdings nicht über den offiziellen Weg. Da wir einen spannenden alten Pfad entlang eines Gebirgskamm gefunden haben, schlagen wir uns einfach dort entlang in die Richtung durch – ganz der Indianer – immer irgendwelchen Spuren nach. Den Wasserfall haben wir nach 2 Stunden zwar nicht gefunden, dafür aber Unmengen an Brombeeren. Es wird langsam spät, sodass wir den Heimweg antreten. Aber wer will schon den gleichen Weg wieder zurück laufen… Wir folgen stattdessen immer einem Zaun, bis wir zu einem etwas heruntergekommenen Farmhaus kommen. Gerade, als wir über den Zaun klettern und übers Gelände laufen wollen, hören wir Bellen und Knurren, das sich mit großer Geschwindigkeit nähert. Jetzt können wir auch die großen Hundefußspuren auf dem Weg zuordnen. Also ganz schneller Rückzug (das Bellen folgt uns noch eine gefühlte Ewigkeit) und mit etwas weichen Knien den ganzen Weg zurück…

Grillen und Chillen am Rio Azul

Wir wollen uns für die Nacht einfach an den nahegelegenen Fluss stellen, doch freies Camping wird dort leider nicht (mehr) toleriert (Müll). Stattdessen finden wir einen netten Campingplatz am Wasser und richten uns ein. Der Herr am Empfang sagte schon, dass wir uns besser ans andere Ende des Platzes stellen sollten – kleinere Geburtstagsparty – aber den südamerikanischen Boxen kann man nicht entweichen und selbst Oropax muss hier kapitulieren.

Die Nacht ist eher kurz, aber was soll’s, die Sonne scheint und wir haben Urlaub. Wir holen die Hängematte raus und genießen das Nichtstun 🙂

Keine Kayaks aber stille Idylle am Lago Puelo

Eigentlich will ich schon die ganze Zeit auf einem der Seen oder Fjorde in Patagonien Kajakfahren. Doch leider war es bisher a) zu kalt, b) zu windig, c) vermüllt. Im Nationalpark Lago Puelo ist alles perfekt: Es ist warm, der See wunderschön und es gibt kaum Wind. Nur sind seit heute die Sommerferien in Argentinien vorbei und somit hat kein Verleih mehr auf. Auf der anderen Seite muss das Ende der Sommerferien auch nicht nur etwas Schlechtes haben: Trotz mangelnder Kajaks übernachten wir am See auf einem fast leeren Campingplatz – für die Hochsaison gibt es dicht an dicht über 100 Stellplätze.

Aufstieg zum Bosque Tallado

Wie leider überall gab es auch bei El Bolson schon einmal einen großen Waldband. Nur ist das im Gegensatz zum Nationalpark Lago Puelo bzw. Los Alerces nicht erst ein paar Monate her, sondern passierte 1978. 20 Jahre später kamen hier einige Künstler zusammen, um einige der schwarzen Baumstümpfe in Skulpturen zu verwandeln und schufen damit eine weltweit einzigartige Attraktion, den Bosque Tallado.

Da uns die Touri-Info vor Einbrüchen auf dem Parkplatz vor dem Bosque Tallado gewarnt hat (zum ersten Mal überhaupt seitdem wir reisen), steigen wir die letzten 1.000 Meter vom Parkplatz einzeln auf. Die Skulpturen sind über die Jahre von weiteren argentinischen Künstlern ergänzt worden, sodass es heute einen Mix aus 39 indigenen, abstrakten und warnenden / ermahnenden Kunstwerken zu bestaunen gibt.

Abstecher zum Lago Steffen

Bevor wir in Bariloche das nächste Mal Besuch in unserem bescheidenen Zuhause willkommen heißen werden, machen wir noch einen Abstecher zum Lago Steffen im Nationalpark Nahuel Huapi. Dort können wir an einer Aussichtsplattform übernachten – unter uns das Tal und der See und über uns tausende Sterne! Weil wir noch Zeit haben, bis wir Simon in Bariloche abholen, und es uns so gut gefällt, verbringen wir den folgenden Tag am See und übernachten noch einmal hier oben.

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