Wir packen unsere Koffer

Entgegen der landläufigen Meinung, dass so eine Reise eine lange Vorbereitungszeit und ausführliche Planung benötigt, haben wir alles in knapp 4 Wochen organisiert oder zumindest versucht zu organisieren. Irgendwas werden wir sicherlich vergessen haben, aber die wichtigsten Dinge sollten nun beisammen sein:

Die Route

6 Monate Zeit und was machen? Irgendwie hörte sich „klassisches Backpacking“ nicht nach unserem Ding an. Flug, Bus, Hostel, wieder Bus und dann auf in eine neue Region – nein Danke!

Also kein „von einem Ort zum nächsten hetzen“ und viel Zeit für die Organisation von Flügen, Unterkünften & Co. verlieren. Dann lieber alles sehr spontan; Orte und Gegenden abseits der klassischen Touristenrouten kennenlernen und ggf. sogar mit der autochthonen Bevölkerung Kontakt aufnehmen.

Als Kind bin ich mit meinen Eltern immer im Wohnmobil unterwegs gewesen und letztes Jahr haben Kathrin und ich Portugal mit dem Wohnmobil der Eltern bereist. Also warum nicht wieder im Camper unterwegs sein? Fehlt nur noch die Route. Die Eltern von Karim (langjähriger Freund meiner Schwester + werdender Vater meiner Nichten) leben in Chile, ich spreche Spanisch, Chile ist sicher und spannend, also auf nach Chile und dann doch am besten nach Patagonien. Von Patagonien hatten wir bisher immer nur Positives gehört (nur eben viiiiiele Mücken) und es gibt eine große Wahrscheinlichkeit, Wale zu sehen. Schaut man sich die Karte an und beschäftigt sich ein wenig mit dem Reiseziel, fällt auf, dass man von Santiago nach Feuerland nicht komplett durch Chile fahren kann, sondern ebenfalls teilweise durch Argentinien fährt. Also Chile runter und dann Argentinien wieder hoch bis Buenos Aires und – wenn man schon mal da ist – auch direkt noch nach Uruguay. Von da über Mendoza zurück nach Santiago. Danach? Einfach mal schauen, wieviel Zeit wir noch haben und worauf wir noch Lust haben.

Zwischen Santiago und Berlin liegt noch irgendwie Afrika, wo wir unsere gute Freundin Judith für 10 Tage in Nairobi besuchen werden. Leider gibt es zwischen Nairobi und Latein Amerika nur zwei preiswerte Alternativen: Über Addis Ababa mit Ethiopian Airlines (25 Stunden) oder mit Emirates über Dubai (33 Stunden). Da mein langjähriger Nachbar kurzfristig seine Hochzeit von April auf Dezember verlegt hat und wir somit nicht anwesend sein können, besuchen wir Rashta und Thomas also 2 Tage in Dubai als Stop over, bevor es dann 15,5 Stunden nach Sao Paulo geht. In Sao Paulo leben 3 gute Freunde aus den alten Studientagen (lang lebe ERASMUS in Oviedo und San Sebastian). Somit werden wir die Gelegenheit nutzen und uns eine Woche bei Wolter einquartieren, Sao Paulo ansehen und vor allem Zeit mit den Dreien und ihren Partnerrinnen verbringen. Von Sao Paulo geht es dann am 8. Dezember nach Santiago, und wir beginnen unseren Roadtrip gen Feuerland.

Dokumente & Co.

Kathrin war dieses Jahr in Peru, ich in Namibia und davor in Brasilien, so dass unsere Pässe noch gültig sein sollten (irgendwann auch mal gecheckt und sie sind es wirklich!) und auch Impfungen waren kein Problem. Aber einen Termin im Berliner Bürgeramt zu bekommen, ist fast unmöglich…

Irgendwann in den letzten Jahren hat Berlin für seine Verwaltung das 21. Jahrhundert ausgerufen und eine ausschließliche online Terminvergabe beschlossen. Sicherlich funktioniert dies in der Theorie und wäre super praktisch für den Bürger – ich kann mir sogar vorstellen, dass das in anderen Städten funktioniert – nur eben nicht in Berlin. Hier war der nächste verfügbare Termin Mitte Dezember, also knapp einen Monat nach unserem angepeilten Abflug. Daher hieß es nun jeden Morgen beim Frühstück auf die Terminvergabe-Seite zu gehen und hoffen, dass sich doch spontan irgendwo in Berlin noch ein Termin findet. Nach ca. einer Woche der morgendlichen Suche hat es dann tatsächlich geklappt und sowohl Kathrin und ich konnten unseren Internationalen Führerschein für Argentinien beantragen.

Dank der EU brauchen wir für Dubai, Chile, Argentinien und Uruguay vorab kein Visum, nur Kenia möchte jeweils 50$ an uns verdienen. Und wie auch Berlin ist Kenia mittlerweile im Onlinezeitalter angekommen, so dass wir unser Visum direkt online beantragen konnten.

Mit Reise- und Impfpass sowie Internationalem Führerschein + Visum Kenia sollten wir alle wichtigen Dokumente beisammen haben.

Das Auto

Also ein Camper. Vielleicht irgendwie günstig und inkl. Erlaubnis nach Argentinien einreisen zu können.

Ein kurze Internetrecherche ergab, dass ein „normaler“ Camper ca. 120$ / Tag + Versicherung kostet. Als einzigen preiswerten Anbieter fanden wir Wicked Campers Chile mit nur 45$ / Tag. Damit waren wir einigermaßen einverstanden. Als wir dann eines Morgens buchen wollten, kam uns beim Ausfüllen der Reservierung der Gedanke, noch einmal schnell „Wicked Campers + Experience“ zu googeln. Leider fielen 90% der Bewertungen schlecht bis extrem schlecht aus. „Nnot so good“ war hier eher noch die positiveste Bewertung, und wir lasen ebenfalls Kommentare wie „they’ve almost killed me“ oder „simply dangerous“ fanden. Also dann doch keinen Camper mieten!

Jetzt schlug die große Stunde von Karim! Innerhalb von kürzester Zeit wurde die komplette Familie Ajraz  eingespannt, suchte nach Möglichkeiten und empfahl uns Schluss endlich ein Auto zu kaufen. Karims Schwager suchte also das Internet nach Möglichkeiten ab und fand schließlich unsere neue Heimat: Einen Hyundai Terracan von 2006! Damit Kathrin und ich aber nicht im Auto schlafen müssen, hat Omar uns auch noch ein entsprechendes Dachzelt besorgt. Somit kommen wir nun am 8. Dezember in Santiago an und haben direkt unser eigenes (generalüberholtes) Auto und können losfahren. DANKE KARIM!!!!!

Campingausrüstung

Gott sei Dank gibt es seit ein paar Monaten in Berlin einen Decathlon! Katharina und Karim wussten zu berichten, dass in Chile alles teurer sei und wir daher möglichst viel vorab in Deutschland kaufen sollten. Nun sind wir also – bevor wir auch nur Berlin verlassen haben – fast komplett ausgestattet und nennen Schlafsäcke, Campingkochgeschirr, Besteck, Becher, Taschenmesser, Thermoskannen, Trinkflaschen, ein Campinggrill, eine Hängematte, Wanderrucksäcke, Reisehandtücher, Kopflampen, 1-Mal-Regencapes, Trekking geeignete Klamotten, Schuhe, Socken, Jacken, Mützen, Handschuhe und viel weiteren Kleinkram unser eigen! Ganz wichtig sind außerdem die Klimmzugringe und 2 Matten.

Größeres wie Campingtisch und Stühle, Kocher, Kühlbox & Co. werden wir aber doch noch vor Ort kaufen.

Technikequipment

Früher hätte man eine Kamera + ggf. ein paar Wechselobjektive eingepackt. Wir haben da technisch ein wenig aufgerüstet und u.a. Laptop, iPad, Kindel, Kamera, GoPro (2x), Unterwasserkamera, unsere iPhones und einen WiFi-Empfänger für Prepaid-Karten, ein altes Handy sowie gefühlte 20 Ladekabel und Adapter mit. Es will ja schließlich alles festgehalten werden und wir wollen diesen Blog mit möglichst vielen Eindrücken füttern. Vielleicht lerne ich in den nächsten Wochen auch noch, wie man Videos schneidet. Angeblich soll das mit dem iPad ganz einfach sein. Ich bin gespannt und denke, Thomas freut sich sicherlich, mir das ganze ausführlich in Dubai zu zeigen!

Wohnung & Arbeit

Last but not least, was ist eigentlich mit Job und Wohnung? Mein Job bei ModSolar hatte sich relativ kurzfristig erledigt – Danke Mike, dass Du mir die Möglichkeit zu dieser Reise gegeben hast – und Kathrin hat ihren Job einfach gekündigt. Wenn ich ganz ehrlich bin, war ich von Kathrins Eifer selbst sehr überrascht. Ich hatte zwar immer den Traum, eines Tages durch Latein Amerika zu reisen, aber ob ich es wirklich gemacht hätte – eher zweifelhaft!

Unsere Wohnung (inkl. Pflanzen) übernimmt jetzt Rosa, so dass sich dieses mögliche Problem relativ schnell in Luft auflöste und wir nicht über Airbnb erst jemanden Fremden suchen mussten.

Was jetzt noch fehlt ist der Abschied von unseren Berliner Freunden und final alles in unsere Koffer quetschen…

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